Feinste Obstbrände: Edelhof 1514

Edelhof 1514: Feinste Obstbrände aus dem Südharz

Im Südharz bewahrt der „Edelhof 1514“ nicht nur alte Streuobstwiesen, sondern destilliert aus seltenen, regionalen Apfelsorten edle Obstbrände. Heike und Christoph Siegert setzen auf Handarbeit und höchste Qualität – von der Ernte bis zur Reifung.
Text Kersten Wetenkamp
Datum11.03.2025

Wer ein Glas Obstbrand vom „Edelhof“ probieren will, muss eine Regel beherzigen: Keinesfalls hinunterstürzen wie billigen Schnaps, sondern langsam genießen! Nur so erkennt man seine Finesse, wie zum Beispiel die der „Wildbirnencuvée Jahrgang 2018, im Eschenfass gereift“: Die zart rosa schimmernde Farbe im Glas beobachten, die Nase hineinhalten, schnuppern – Birnenduft, etwas Aprikose, ein Hauch Vanille. Dann über die Zunge rollen lassen: ein weiches, fast cremiges Mundgefühl mit der pfeffrigen Spitze von 43 Volumenprozent. Dem Namen der Hersteller wird der Brand absolut gerecht: Edles vom „Edelhof“. Zweiter Grund fürs bedächtige Probetrinken: Den Obstbrand herzustellen, erfordert ungeheuer viel Zeit und Anstrengung – bei der Ernte der Äpfel oder Birnen, beim Putzen der Früchte und beim Einmaischen und dem anschließenden Brennen. Man sollte also den Produzenten so viel Achtung erweisen, das kostbare Destillat ganz achtsam, nun ja, in sich aufzunehmen.

Reine Handarbeit: Apfelernte auf den Streuobstwiesen.

Ich selbst bin nicht ganz untätig gewesen bei meinem Besuch auf dem „Edelhof 1514“ in Hörden am Harz, rund 40 Kilometer nordöstlich von Göttingen. Bei den „Edelhof“-Machern Heike und Christoph Siegert habe ich mich freiwillig zur Mitarbeit gemeldet. „Prima, dann kannst du bei der Apfelernte helfen“, sagt Heike Siegert und drückt mir einen großen Kunststoffeimer in die Hand. „Die Kasseler Renette ist reif, die ernten wir von Hand und lassen sie noch ein paar Monate liegen, dann bekommt sie noch mehr Aroma.“ Während Heike und ich von den unteren Zweigen die Äpfel abkneifen, holt Christoph mit einem langstieligen Pflücker die Früchte von den höheren Zweigen. „Vorsichtig die Äpfel in die Kiste legen, bloß nicht werfen!“, ermahnt mich Heike. Nur einwandfreie Exemplare ohne Dellen und faule Stellen ergeben einen perfekten Obstbrand. „Aus Mist kannst du kein Gold machen“, ergänzt Christoph. Die Ernte ist ein langwieriger Job, schon nach einer Stunde spürt man in den Armen, Schultern und im Rücken, was man geschafft hat. Am Nachmittag ernten wir den Prinz Rudolf durch Rütteln der langen Äste – die Äpfel regnen vom Baum und fallen auf ein bereitliegendes Erntenetz, ganz ähnlich wie Oliven bei der typischen Ernte am Mittelmeer. Sie müssen noch am selben Tag verarbeitet werden.

Sortenreiner Genuss: Goldparmäne – Apfeledelbrand

Die mühsame Ernte ist erst der Anfang – die Äpfel werden gewaschen, schlechte Stellen penibel herausgeschnitten, dann werden die Früchte in knapp mannshohen Häckselmaschinen fein püriert. Diesen Brei füllt Christoph in Kunststofffässer zum Vergären, jedes Fass wiegt etwa 60 Kilo, man kann es nur zu zweit anheben oder ächzend in den Schuppen zur Reifung rollen. Ein Knochenjob. Für Trost sorgt da ein Blick auf den „Edelhof“ selbst: ein bildhübsches, zweistöckiges Fachwerkhaus, 1514 als Rittersitz errichtet, samt drei Hektar großem Grundstück voller Obstbäume – Äpfel, Birnen, Kirschen, Holunder. Heike Siegert hat den Hof von den Eltern geerbt, sie arbeitet im Hauptberuf als Beatmungstherapeutin in Hamburg, ihr Mann Christoph ist Fotograf und Filmregisseur. Je nach Jahreszeit fahren die beiden mehrmals pro Monat von Hamburg zum Südharz, um auf dem Hof und den umliegenden Streuobstwiesen zu ernten, einzumaischen und dann den Rohstoff nach Bellersen in NordrheinWestfalen zu verfrachten, wo die Maische nach der Vergärung in der Destillerie des Heimat- und Verkehrsvereins zu feinsten Bränden veredelt wird.

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