TOP 30 RESTAURANTS - Die Konzepte der Zukunft

SPITZENKÖCHE MÜSSEN WIEDER VORBILD SEIN
TEXT DEBORAH GOTTLIEB
Der Gedanke, dass Gäste vier Stunden an einem Tisch bei einem Menü verbringen, erschiene ihm heute schwer vorstellbar und „veraltet“, sagte René Redzepi, Miteigentümer des Kopenhagener „Noma“ und Pionier der New Nordic Cuisine, in einem Interview vier Wochen nach Beginn der Corona-Krise. Man müsse die Zeit der Schließung nutzen, um Dinge zu verbessern, erklärte er und zog sich in sein leeres Restaurant zurück, um die entscheidende Frage zu beantworten: Wie sieht die Top-Gastronomie der Zukunft aus? Die Spitzenküche war schon vor der Pandemie im Umbruch, und eine Krise hat immer auch die Wirkung eines Katalysators. Fine Dining wird sich verändern – müssen. Doch wie sollten die Konzepte künftig gestaltet sein, damit sie Gäste jenseits kurzfristiger Trends und effektvoller Inszenierungen nachhaltig begeistern? Welche deutschen Restaurants werden Maßstäbe setzen, weil die richtigen Lehren aus der Krise ihr Wegweiser waren?
Das Konsumverhalten wird sich ändern, glauben führende Köpfe der Branche. Reisen würden weniger, auch solche zu besonders angesagten Restaurants. Und das nicht nur wegen geschlossener Grenzen, sondern weil sich die Prioritäten und Bedürfnisse der Gäste weiter wandeln werden. Das Gute wird man zunächst wieder öfter in der Nähe suchen. Bei Entscheidungen, wo wir essen und was wir einkaufen, geht es in Zukunft weit stärker als bisher auch um Werte wie Nachhaltigkeit, Ökologie und Verantwortung. Ein Trend, den Corona nicht begründet, aber verstärkt hat. Auf Genuss werden wir deshalb natürlich nicht verzichten, im Gegenteil. Aber die Frage, was der Gast darunter versteht, müssen die Protagonisten neu beantworten – und ihre Konzepte danach noch besser ausrichten.



- Spitzenküche zum Anfassen: Chefkoch Jan-Philipp Berner in der offenen Küche des „Söl’ring Hofs“ in Rantum auf Sylt
- Die Frau fürs Finale im „einsunternull“: Chef-Patissière Marie Mang ist in Berlin gemeinsam mit Jonathan Pichler für die Desserts verantwortlich
- Beerenstark: Hier sind Brombeere mit Malz und Pumpernickel ein furioser Abschluss des Menüs im „einsunternull“
Das Soziale sei das Wesen der Gastronomie, ein Restaurantbesuch bedeute immer auch zwei, drei Stunden Urlaub vom Alltag, sagt Ex-Spitzenkoch und Gastroberater und experte Christian Rach. Und im besten Fall ein unvergessliches Erlebnis. Das soll schwelgerisch sein, gern überraschend und kreativ, aber ohne Erklärungen verständlich; eben unbeschwert, doch nicht unbekümmert. Gäste wollen die Gewissheit haben, dass ihr Gastgeber am Herd verantwortungsbewusst zu Werke geht. Wer das in der Krise vorgelebt hat, indem er kleine Erzeuger mit Lieferkonzepten oder seine Mitarbeiter in Kurzarbeit mit Gehaltsaufstockungen unterstützt hat, der gewinnt auch das Vertrauen der Gäste.
Damit die kleinen Produzenten wegen der Gastropause nicht auf ihren Erzeugnissen sitzen blieben, übernahmen Köche Verantwortung und eine Vermittlerfunktion. Thomas Imbusch verschickte aus seinem „100/200 Kitchen“ in Hamburg Wochenkisten mit vorgekochten Gerichten und Grundprodukten seiner Lieferanten: bestes Hühnerfleisch vom Hof Odefey & Töchter aus Uelzen (neben Brust und Keule auch Flügel und mehr) oder Manufaktur-Käse vom Hof Backensholz in Schleswig-Holstein. Das sicherte den Produzenten die Existenz und gewährleistete dem Koch den Fortbestand der eigenen Versorgung. Gäste mussten selbst bei eingeschränkten Einkaufsmöglichkeiten nicht auf gute Lebensmittel verzichten. Und das verbindet alle drei.



Gastgeber zu sein bedeutet, Menschen zu umsorgen, die Gastronomie ist eine Branche des „Caring“. Wie stark Gemeinschaftssinn und soziale Verantwortung an vielen Stellen verankert sind, wurde schon nach wenigen Tagen Zwangsschließung eindrucksvoll demonstriert. Eine Welle der Solidarität rollte von Berlin durch die Republik: Mit „Kochen für Helden“ initiierten Max Strohe und Ilona Scholl vom Restaurant „Tulus Lotrek“ spontan eine Aktion, bei der Restaurants die Ärzte, Pfleger, Mitarbeiter in Apotheken und Supermärkten und andere bundesweit mit Mahlzeiten versorgten. Andere wie Jan-Philipp Berner im „Söl’ring Hof“ auf Sylt wollen improvisierte Konzepte aus der Krise auch während des reduzierten Neustarts zunächst weiterführen, um das Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter aufzustocken. Mit „JP’s Kantine“ versorgt er die Sylter täglich mit einem bodenständigen Takeaway-Hauptgang wie einer perfekten Roulade. Die Gäste bringen eigene Behälter mit.
Engagement für Region und Nachhaltigkeit sind Werte, die bereits viele Lokale leiten und die künftig noch stärker gefragt sein werden. Restaurants wie das „einsunternull“ in Berlin mit seinem konsequent lokalen Konzept, vom Gemüse aus dem eigenen Garten bis zum handgemachten Geschirr aus Prenzlauer Berg, sind glaubwürdige Beispiele für eine moderne Regionalküche, die das Beste in der Nähe suchen, ohne selbst der Mittelpunkt der Welt sein zu wollen. Felix Schneider verfolgt im „Sosein“ in Heroldsberg Saisonalität und Respekt vor den Produkten und Erzeugern Frankens so kompromisslos wie kaum ein anderer; selbst seine Sojasauce kommt aus biologisch-baden-württembergischem Versuchsanbau. Benjamin Peifer serviert in seinem Kallstädter „Intense“ ein freches Omakase-Menü im weinumrankten Fachwerkhaus: eine so humorvolle wie global unterlegte Liebeserklärung an die Heimat mit fast ausschließlich Pfälzer Zutaten. Und Marco Müller entwickelte für sein „Rutz“ in Berlin mit Landwirten sogar eigene Bepflanzungspläne für seine hoch innovative Spitzenküche. Sie alle leben Konzepte, denen ein neues Verständnis von Genuss zugrundeliegt.



Links: Neue Perspektiven: Im Hamburger „100/200 Kitchen“ vermittelte Thomas Imbusch die Produkte seiner Erzeuger an die Gäste weiter
Mitte und rechts: Reduktion auf die geschmackvolle Art: Im „Atelier“ serviert Jan Hartwig Kalbsbries in Wirsing mit Rieslingkraut
Die Krise hat außerdem ein Band geknüpft: Solidarität nicht nur mit Helfern und Erzeugern, sondern auch untereinander wurde in der Zwangspause gefördert. In der Not hat sich die Branche der Einzelkämpfer zumindest in Teilen vereint. Die Initiative #restartgastro, die in einem offenen Brief zum verantwortungsvollen Neustart der Betriebe aufrief, zeigte ebenso eindrucksvoll wie die bundesweite „Aktion Leere Stühle“, was ein Schulterschluss bewirken kann. Stars wie Tim Raue vereinten sich mit Granden wie Heinz Winkler aus Aschau und Szene-Gastronomen wie The Duc Ngo aus Berlin sowie Produzenten und Großhändlern zu einer Allianz. Leere Stühle auf öffentlichen Plätzen demonstrierten die dramatische wirtschaftliche Situation in den geschlossenen Betrieben. Erstmals hatte die Branche eine Stimme. Wer es schafft, den Schulterschluss auch künftig zu leben, hat ein Netzwerk, das nicht nur in der Krise hilft.
Vor allem muss aber das Gesamtkonzept stimmen. „Ich koche, was mir schmeckt“, ist eine Sichtweise, aber kein Konzept. Reduktion wird ein Gebot der Stunde werden, nicht von Qualität und Raffinesse, aber von dem für den Gast spürbaren Aufwand.



- New Generation: Jan Hartwig ist in seinem „Atelier“ in München ein virtuoser Dirigent der Aromen – ganz ohne Dogma
- Das „Waidwerk“ in Nürnberg wird als eigenes kleines Restaurant im Traditionsgasthaus „Rottner“ von Junior Valentin geführt
- Modern angerichtet im „Waidwerk“: Taschenkrebs, Avocado, Yuzu, Ringelblume und Joghurt
Die Besten wie Christian Bau in Nennig, Sven Elverfeld im Wolfsburger „Aqua“ oder Jan Hartwig im Münchner „Atelier“ werden die deutsche Spitzenküche weiter prägen. Die Weiterentwicklung vorantreiben werden aber jene, die jetzt mit neuen Ideen auch neue Gäste gewinnen und nachhaltig begeistern. Im „Haus Stemberg“ beweist Sascha Stemberg souverän und lässig, wie der Spagat zwischen Wirtshaus und Spitzenküche gelingt. Im Nürnberger „Waidwerk“ verfolgt Valentin Rottner im eigenen Gourmetbereich des elterlichen Traditionsgasthauses sein Vision einer modernen deutschen Kreativküche mit Respekt vor der Natur. Und im „Storstad“ interpretiert Anton Schmaus mit einem urbanen Gastrokonzept in Regensburg die Heimat mit Weltläufigkeit neu. Das alles sind authentische Konzepte, die Zukunft gestalten werden.
Christian Rach kennt als Koch, Autor und Gastroberater die Restaurantszene gut. Was sich ändern muss, erklärt er hier
Die Krise hat gezeigt, wie viele Ideen in Köchen und Gastronomen stecken. Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Gastrobranche war schon immer unglaublich
kreativ und ein Treiber für gesellschaftliche Trends.
Sie hat schon immer versucht, neue Ideen umzusetzen.
Nach den fetten Jahren, die nur Personalmangel
prägte, ist diese Kreativität wieder gefragt.



- Jäger mit Respekt vor der Natur: Valentin Rottner (Mitte) kocht mit Stefanie Kneißl und Andreas Kröckel kreativ und heimatverbunden
- Brathendl mit Gurke und Kräutern im „Klassenzimmer“ in der Feldberger Seenlandschaft
- Das Potenzial des Berliner Umlands schöpft Marco Müller im „Rutz“ aus: durch enge Kooperationen mit Landwirten
Wie werden Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung Restaurants künftig prägen?
Auf mehrere Arten. Als Gast muss ich lernen, dass gute Produktqualität nicht für kleines Geld zu haben ist und sie eines der wichtigsten Ziele unserer Gesellschaft sein sollte. Und als Gastronomen müssen wir kreativer mit einfachen, aber hochwertigen Produkten arbeiten, um wirtschaftlicher zu sein. Man sollte den Einsatz von Fleisch und Fisch reduzieren, mehr auf Gemüse und selbst hergestellte Produkte setzen. Gute Gastronomie darf nicht nur etwas für Wohlhabende sein. Als Arbeitgeber muss ich außerdem eine Wertschätzung für die Mitarbeiter entwickeln, die über ein Gehalt, das auch noch das Trinkgeld als Basisleistung einkal kuliert, hinausgeht. Ich kann nicht nur ein Minimal gehalt zahlen. Von so geringen Gehältern kann kaum einer vernünftig leben – und von den 60 Prozent, die dann bei Kurzarbeit bleiben, schon gar nicht. Das war ein böses Erwachen bei Corona.
Was sollten Gastronomen ändern?
Die Gastronomen ließen sich diktieren, was die Kunden bereit waren auszugeben, sie sind ein Stück weit mit Schuld z. B. an der Massentierhaltung. Viele Konsumenten wollen das Beste ohne die Bereitschaft, auch dafür zu bezahlen. Die Bilder von der Massentierhaltung will zwar keiner sehen, aber 75 Prozent der Deutschen sind andererseits nicht bereit, an der Fleischtheke zwei Euro mehr pro Kilo für Schweinefleisch von Tieren aus artgerechter Haltung auszugeben, ergab eine Umfrage. Das muss aufhören. Wir brauchen einen Zusammenschluss vom Erzeuger bis zum Gast. Und die Gastronomie kann durch Transparenz das Bindeglied sein.



- „Rutz“: Tatar vom Allgäuer Weideochsen mit Gurke, Speck staub und Forellenkaviar
- Konsequent geht Felix Schneider im „Sosein“ in Heroldsberg seinen Weg: für maximalen Genuss und mit Wertschätzung für die Ressourcen
- Sascha Stemberg
In der Krise gab es plötzlich eine große Solidarität unter den Köchen. Wie kann die bewahrt werden?
Bisher war Solidarität untereinander nicht vorhanden, die Gastronomie mit ihren 2,3 Millionen Beschäftigten war keine gesellschaftliche Macht. Zum ersten Mal gibt es in der großen Herausforderung einen Schulterschluss. Wenn wir jetzt unsere Interessen gemeinsam weiter formulieren und ihnen eine Stimme geben, können wir sie nutzen, um in Zukunft für die Branche und auch gesellschaftlich Relevantes zu bewirken. Das geht nicht von heute auf morgen, braucht neue Strukturen. Die können jetzt gefunden werden. Das kann die größte Lehre aus Corona sein.
Mit Kochboxen und Lieferdiensten entstand auch eine neue Kommunikation zwischen Koch und Gast. Da rief schon mal einer an und fragte: „Wie bereite ich das denn nun zu?“ Ist die Runde eines Spitzenkochs am Ende des Abends durch sein Restaurant noch zeitgemäß?
Es wird mit Sicherheit eine neue Form der Kommunikation zwischen Gast und Gastronom geben. Früher wurde die Runde von den Gästen gefordert. Aber heute möchten die Gäste eine neue Form der Kommunikation. Die Digitalisierung wird die Zukunft bestimmen. Das bedeutet nicht nur ein Onlinereservierungs system, sondern auch die digitale Kommunikation mit dem Gast auf allen möglichen Portalen.



- Sascha Stemberg verbindet Tradition und Moderne: mit Matjes, Sud von grünem Apfel, Rettich und eingelegten Radieschen
- Anton Schmaus überzeugt im „Storstad“ über den Dächern von Regensburg mit kreativer, lässiger Küche in modernem Ambiente
- Mehr Frische als bei diesem Kopfsalat mit Zitrone und grünem Pfeffer in der „Villa Kellermann“ in Potsdam geht nicht. Großartig!
Welche Konzepte werden künftig Bestand haben?
30 bis 35 Prozent der Betriebe werden mittelfristig nicht überleben. Und die bittere Wahrheit ist: Viele Gäste sehen das gelassen. Im Rahmen einer Diskussion mit jungen Leuten antworteten die: „Na, und? Dann kommt eben ein neues Restaurant dorthin, wo mein Italiener geschlossen hat. Und vielleicht ist das sogar noch besser?“ Unsere Spitzengastronomie ist auch international auf einem enorm hohen Niveau, aber zuletzt war sie etwas zum Stillstand gekommen. Viele Läden sehen gleich aus, bieten ähnliches Essen an. Die Topgastronomie muss Vorreiter in Sachen Produktqualität sein und damit auch bei Umweltschutz, Tierhaltung und Landwirtschaft. Dadurch bekommt sie gesellschaftliche Relevanz und Akzeptanz und kann auch in der Debatte über zeitgemäßen Genuss und Schwelgen wieder die Führung übernehmen. Sie muss sich fragen, was für den Gast sinnvoll ist und weniger auf die Konkurrenz schauen. Die Kollegen können dann Vorbilder und Antrieb für eine tolle gastronomische Zukunft sein.
Auf Seite 2 finden Sie die Liste der Top 30 Restaurants
30 RESTAURANTS, die mit ihren Konzepten die Zukunft prägen
Konzept: Konzentriertes Frontcooking in Billy Wagners Ausnahme-Restaurant, dem Ursprungsort des Mottos „brutal lokal“. Mit der Speisefolge aus 6 Gängen und entsprechendem Time Slot kann zwischen 18 Uhr und 18.30 Uhr und ab 20.30 Uhr begonnen werden, wer die Speisefolge aus 8 Gängen bucht, hat keine zeitliche Begrenzung.
Küche: Gekocht wird kompromisslos mit heimischen Lebensmitteln, meist in Demeter-Qualität, aus kleinbäuerlichen Betrieben sowie mit Produkten aus Wald und Flur – alles Importierte ist tabu. Nichts soll vom ursprünglichen Geschmack ablenken. Zur kalten Jahreszeit etwa kombiniert das Team um Micha Schäfer gebratenen Steinpilz mit Kiefernnadelbutter und gerösteten Bucheckern-Nüssen oder auch als Hauptgang Entenbrust mit Wirsing, Rahm und Kümmel. Milcheis wird mit würzig-grünem Saft von Petersilie und gefrorenen Sanddornbeeren sowie Öl aus Sanddornkernen angerichtet.
Wein: Billy Wagner begleitet persönlich mit Weinen, die für Anbaugebiet und Terroir stehen, aber auch mit handgemachten Bieren und Cidres.
Atmosphäre: Ungewöhnlich, geheimnisvoll. Die Gäste sitzen im Halbdunkel am großen, U-förmigen Küchentresen. Ungeeignet für Tête-à-têtes.
Fazit: Professionelle Gastlichkeit mit einer Küche im Mittelpunkt, die zum Nachdenken anregt.
Konzept: Nova-Regio-Küche auf Berliner Art mit Fokus auf Saisonalität, Kreativität und nordisch inspirierte Techniken wie Fermentation. Degustationsmenü in 6-8 Gängen.
Küche: „Rutz“-Mastermind Marco Müller und sein Küchenchef Dennis Quetsch haben ein klares Erfolgsrezept: „Wir fangen da an zu denken, wo andere aufhören.“ So entstehen spannungsreiche Kreationen für aufgeschlossene Gaumen wie die Kombination von Lamm (Rücken, Zunge, Bauch und Fett), Wattauster und grünen Bohnen oder ein Gang rund um im Ganzen verarbeitete Forelle, der auch eigenen Bottarga und aus Karkassen und Köpfen gewonnenes Garum umfasst. Das stimmig durchkomponierte Menü beeindruckt durch handwerklichen Feinschliff und geschmacklichen Facettenreichtum. Müller nahm nach 23 Jahren wieder Jakobsmuschel auf die Karte, weil ihn die handgetauchte Qualität aus Norwegen begeisterte. Er bringt die zarte Meeresfrucht so gekonnt auf den Punkt, dass sie nur gerade eben gegart ist und ihre cremige Konsistenz und süßlich-nussige Aromatik voll ausspielen kann. Der getrocknete Rogen wird zur Intensivierung des Geschmacks darüber gehobelt, dazu gibt es eingelegten Grünkohl, Kap-Stachelbeere und Sauce aus den Bärten der Jakobsmuschel und Kräuteröl.
Wein: Kongenial abgestimmte Weinbegleitung; wer mag wählt selbst aus dem opulenten Weinbuch (die Eigentümer des Restaurants sind Weinhändler). Anfang des Jahres folgte Sebastian Höpfner als Sommelier auf Nancy Großmann (jetzt „Grill Royal“).
Atmosphäre: Das zweistöckige Lokal im puristischen Stil mit Natursteinwänden wirkt offen und zugänglich; prägendes Element ist ein Regal über beide Etagen mit bunt ausgeleuchteten Einweckgläsern. Falco Mühlichen ist der beredte Gastgeber, der an den Tischen für gute Stimmung sorgt. Sommerterrasse im Obergeschoss.
Fazit: Genussvolle kulinarische Bildungsreise in stilvoll-entspanntem Ambiente.
Konzept: Frech, unkonventionell und sinnlich präsentiert sich dieses Restaurant, das Max Strohe und Geschäftspartnerin Ilona Scholl sehr persönlich führen.
Zwei Menüs, Fleisch/Fisch & Vegetarisch (gefiltertes Wasser ist inbegriffen).
Küche: Max Strohe ist als TV-Koch, Autor, Kolumnist und Fotograf präsent. Als Hedonist liebt er den Genuss in jeder Hinsicht. Die Idee seines Restaurants – aus dem Vollen schöpfen und genießen ohne Manierismus. Er mixt munter Zutaten, Stile und Aromen: Das Menü mit Fleisch und Fisch startet etwa mit Otoro (Thunfischbauch), dazu Chawanmushi (japanischer Eierstich) und Buttermilch, eine Zwiebelsuppe peppt er mit Pilzen auf, zur Lachsforelle kombiniert er geschmolzenen Kalbskopf mit Champagner-Sauerkraut-Nage und Schmorgurke. Ein besonderes Vergnügen im Veggie-Menü ist eines seiner Signatures: Versengter Lauch mit aufgeschlagener Zwiebelcreme und Käse aus Norwegen.
Wein: Sommelier Felix Fuchs stellt die Begleitung zum Menü aus 450 Positionen zusammen – große Champagnerauswahl, die besten Güter aus Deutschland und Frankreich, außerdem spannende Neu-Entdeckungen junger Winzer.
Atmosphäre: Understatement im Berliner Altbau. Legeres Ambiente mit alten blanken Holztischen, die markante dschungelartige Tapete findet sich in der Kleidung des Serviceteams wieder, das unter Ilona Scholls lässig-cooler Art die Atmosphäre prägt.
Fazit: Fine Dining meets Soulfood mit Emotionen, lockerer Stimmung und sehr viel Lebensfreude.
Konzept: Kleines Gourmetrestaurant im familiengeführten Hotel Lammershof.
Küche: Im Vordergrund der Küche von Philip Thier steht das Fleisch von den Bisons der eigenen Herde. Dieses Produkt setzt er immer wieder kreativ in Szene, etwa mit einer in der Schale gedämpften Bison-Consommé mit Ossietra Kaviar, Haselnuss und Schnittlauch. Highlight ist das Bisonfilet mit in der Salzkruste gegartem Sellerie, Trüffel und Madeira Jus. Süßer Abschluss ist der „Bienenstich 2.0“ mit weißer Schokolade und Yuzu-Rahmeis.
Wein: Die Begleitung hält auch ungewöhnliche Flaschen wie einen roten Mavrud aus Bulgarien bereit.
Atmosphäre: Die Gäste sitzen unter dicken Holzbalken auf Lederstühlen, das Archaische wurde hier elegant gezähmt.
Fazit: Aromenstarke, naturverbundene Küche von engagierten Gastgebern.
Konzept: Fine Dining in 5 bis 7 Gängen im ehemaligen Klassenzimmer der idyllisch gelegenen, einstigen Dorfschule, die das Ehepaar Schmidthaler zum Hideaway ausgebaut hat.
Küche: Eine Menükarte gibt es nicht. Daniel Schmidthaler kocht mit dem, was Natur und Produzenten rundum zu bieten haben. So kombiniert er etwa in der kalten Jahreszeit knusprig gebackenen Topinambur mit Rindermark und eingelegten Trauben oder auch geflämmten Saibling mit Aroniabeere,
Essiggurke, Apfelcreme und Chicorée, saftiges Filet vom Rehbock richtet er mit Beten und Mohnsaat an.
Wein: Gastgeberin Nicole Schmidthaler begleitet mit Lieblingsweinen. Es lohnt aber auch der Blick auf die umfangreiche Karte mit Top-Gewächsen von Deutschlands führenden Gütern.
Atmosphäre: Elegant bis rustikal. Petrolfarbene Polstersessel stehen an schweren Holztischen, im Flur hängen historische Fotos. Separates Menü „ländlich fein“ in 3 Gängen im Nebenraum, dem „Wintergarten“. Kochkurse. Hunde müssen draußen bleiben.
Fazit: Professionelle Gastlichkeit mit der Küche im Mittelpunkt.
Konzept: Eingebettet in den weißen Museumsbau von Stararchitekt Richard Meier entwickelt Inhaber Anton de Bruyn seine pflanzenbetonte Regioküche mit hohem Anspruch stetig weiter. Mittagstisch um € 15.
Küche: Über den Tag hinweg gibt es kleine und große Gerichte, allesamt originell und von bester Qualität,. Das hausgemachte Sauerteigbrot mit Rapskernbutter (€ 4) besitzt Kultstatus, hohe Fertigungstiefe beweisen hausgemachte Blutwurst (€ 13) sowie
Coppa vom Bio-Schwein (€ 12). Handwerk und kreative Offenheit manifestieren sich in Dinkelrisotto mit Blumenkohl, Schafskäse und Salzzitronenpaste (€ 25) oder gegrilltem Knochenmark mit Erbse und Minze (€ 13). Sehr gut: luftige Buchweizen-Madeleines (€ 5) und (Hart-)Käse vom Allgäuer Affineur Thomas Breckle (€ 16).
Getränke: Saisonal wechselnde (Natur-)Weinkarte; hausgemachte Limonaden und roter Vermouth, Manufakturbiere.
Atmosphäre: Geradlinig mit starken Farbakzenten, Glühbirnenhimmel und Wandspiegel ist das Thema Bistro zeitgemäß inszeniert. Herrliche Terrasse im Museumspark.
Konzept: Loftartiges Fine-Dining-Restaurant im Industrial Style nahe der Elbbrücken; ein fixes Menü (Ticketsystem, keine Rückerstattung), dessen Fokus alle 3 Monate wechselt. À-la-carte im „Glorie“ auf der Empore, auch als Walk-in.
Küche: Auf offener Koch-Bühne wird produktzentrierte Traditionsküche als Tor zur Welt im Mund gefeiert: Helgoländer Hummer kommt vom Robata-Grill mit knusprigem Grünkohl und „Kräuterschiffchen“, dazu eine klassisch-schaumige Bisque – Nachgießen ausdrücklich erwünscht! Unter einer luftigen Hollandaise mit Muskat verbirgt sich ein Wildragout, daneben liegt ein knusprig-saftig-kräutiger Toaststreifen mit Schnecken. Beim Hirsch „hanseatisch“ kombiniert Imbuschs Team Aal (Schaum) und Steckrübe (Streifen) zu den süß-säuerlichen Aromen einer „Hamburger Aalsuppe“. Nicht wegzudenken: der Hausklassiker „Käsetoast“ mit Crème aus 42 Monate gereiftem Gouda.
Wein: Alkoholfreie und -haltige „Geleitzüge“ können vorab gebucht werden – oder man mixt vor Ort nach Gusto. Frankreich steht bei Gastgeberin und Sommelière Sophie Lehmann im Fokus.
Atmosphäre: Namenspate sind die Temperaturen von Topf und Ofen, raumprägend der Molteni-Herd im Zentrum des Restaurants. Das Team ist gastgewandt, serviert wird auch von der Küchencrew. Wer sich vom Küchenblick losreißt, sieht draußen die S-Bahn den Billhafen kreuzen, hört dazu Iggy Pops „The Passenger“ – ein Erlebnis.
Fazit: Urbanes Gesamterlebnis aus Küche, Design und Gastlichkeit, das den Blick weitet.
Konzept: Mona Schrader und Tony Hohlfeld haben vor rund zehn Jahren neue Maßstäbe in der Gastronomie der Stadt gesetzt. Ihrem Casual Fine Dining-Konzept mit Fokus auf regionale Produkte und dem Zeitgeist eines modernen und international anerkannten Restaurants eifern mittlerweile so einige Kollegen in der niedersächsischen Landeshauptstadt nach. 7-9 Gänge, besonderes Angebot Mittwoch- und Donnerstagabend sowie Samstagmittag (4 Gänge zum fast halben Preis).
Küche: Das Jante ist nach wie vor das Nonplusultra in Sachen kreative Küche in Hannover. Auf Tonys Teller ist sowohl handwerklich als auch innovativ stets Verlass. Florale Waldaromen tragen sich durch ein dramaturgisch perfekt ausgefeiltes Menü, das mit dem gekonnten Einsatz lokal-saisonaler Produkte sowohl geschmacklich als auch in der Varianz der Texturen erfreut. Wie der Saibling von der Müritz, den er sanft temperiert mit in Öl frittierter Hefe, Sauerampfer-Julienne mit Waldmeister-Creme, Schaum von fermentiertem Spargel und gerösteter Molke serviert.
Wein: Zu dem, was ihr Partner in der Küche leistet, addiert Mona Schrader kontinuierlich aufgefrischtes Wein-Wissen, coole Vibes und herzliche Nonchalance im Gastraum. Zu den rund 400 Positionen mit Schwerpunkt Deutschland und Österreich kann die Gastgeberin und Sommeliere die nützlichsten Infos und besten Anekdoten auftischen.
Atmosphäre: Auch beim Interieur hat Mona Schrader entscheidenden Einfluss und talentiertes Geschick bewiesen: Im halbrunden Pavillon warten 30 Plätze auf softem Leder in Erdtönen unter Designer-Leuchten an Holztischen mit eingebauten Besteckschubladen auf die Gäste, weitere im Sommer auf der Terrasse im romantisch gestalteten Garten inmitten der Südstadt.
Fazit: Einzigartig kreative und komplexe Spitzenküche in eleganter Wohlfühl-Atmosphäre.
Konzept: Große Veränderungen kündigen sich an: Das Spitzenrestaurant wird (voraussichtlich im Mai) in das komplett renovierte Schlossgebäude umziehen, ein neuer Küchenchef soll Regie führen.
Aktuell sichert das Küchenteam mit Hoteldirektor Peter Niemann die Klasse in dem wohl intimsten Gourmetrestaurant des Landes.
Küche: Die vielen Grüße aus der Küche sind schon ein Fest für Auge und Gaumen: Zehn Kleinigkeiten gibt es, darunter Hummer Thermidor, in einem Ei serviert. Die Mischung aus regionaler und bretonischer Küche zieht sich durchs ganze Menü, besonders die Topqualitäten bei Fisch und Meeresfrüchten fallen angenehm auf. Makrele mit Escabeche-Sud und Störfilet mit Kaviar sind hervorragend, die getrüffelte Sellerie-Millefeuille ist eine Wucht. Das Wild stammt aus dem angrenzenden eigenen Forst
Wein: Maître Jan Möller ist so souverän wie zugewandt – und die Weinkarte ist so gastfreundlich kalkuliert, wie man es sich öfter in Deutschland wünscht. Die Jahrgangstiefe bei deutschen und französischen Spitzenweinen ist beeindruckend.
Atmosphäre: Rückzugsort im Hideaway, Blick ins Blutbuchental, wunderschöner Gobelin. Das Ambiente ist klar und unaufgeregt, der Service nimmt sich Zeit für Erklärungen.
Fazit: Eine der besten Gourmetadressen des Landes – kurz vor seiner Neuerfindung.
Konzept: Inhaber Maximilian Lorenz hat 2024 umgestellt auf Nose-to-Tail-Küche, nutzt also möglichst das komplette Tier und stellt somit nochmals höhere Ansprüche an die Kreativität seiner Mitarbeitenden und sich selbst. Zwei unveränderbare Menüs, davon eines vegetarisch.
Küche: Lorenz wählt einen spielerischen Ansatz, seine Küche zu präsentieren. Den Spaß an der „street cuisine“ lebt er nicht nur im Drittlokal „ML Straßenküche“ aus, er beeinflusst auch die Gourmetkarte, etwa, wenn es in einem Gang Enten-Nuggets und Chips mit selbstgemachten Saucen gibt. Spannender wird es bei größeren Ambitionen: etwa beim Pompom-Pilz mit Champignon-Buttersauce oder dem sehr guten Saiblingsbauch mit Rotkohlcreme und krosser Entenhaut.
Wein: Große, kennerhaft kuratierte Karte mit Fokus auf Deutschland. Gäste profitieren vom angeschlossenen Weinlokal; immer wieder gibt es offene Weine, die nicht auf der Karte stehen.
Atmosphäre: Modern und stimmig eingerichtet, große Fenster. Hier speist man in elegantem Umfeld.
Fazit: Interessante ganzheitliche Gourmetküche, die Potential nach oben hat.
Konzept: Fine Dining im Familienhotel mit moderner schwäbischer Küche, „Alb.style“ genannt. Zwei Menüs, eines davon vegetarisch, in 5 oder 7 Gängen.
Küche: Andreas Widmann hat hier seinen ganz eigenen Stil gefunden. Produkte und Traditionen von der Schwäbischen Alb werden neu auf den Teller gebracht, etwa Artischocke aus dem Brenztal mit geschmortem Knoblauch und hausgemachtem Alblinsen Shoyu. „Ursprung“ ist dabei die Besinnung auf Traditionen und die Wiederentdeckung traditioneller Verarbeitung zum Konservieren und Garen, etwa mit offenem Feuer. Das Reh aus der Ostalb Jagd serviert er mit eingelegter Kirsche, Roter Bete und Waldpilzen.
Wein: Sommelière und Gastgeberin Anna Widmann berät engagiert und äußerst kenntnisreich aus der Karte mit Schwerpunkt auf Baden-Württemberg, Franken und ihrer Heimat Österreich.
Atmosphäre: Im ältesten Teil des Gasthauses entstand das Gourmetrestaurant, die einstige Gaststube wurde komplett modernisiert mit dunklen blanken Holztischen und Polsterstühlen.
Fazit: Die Region neu und spannend auf dem Teller, immer wieder eine Entdeckung.
Konzept: Im Gourmetrestaurant des traditionsreichen Delikatessenhauses setzt man auf ein Menü mit 16 (!) kleinen Gängen; mittags gibt‘s eine reduzierte Version.
Küche: Rosina Ostler kam Ende 2023 aus dem Osloer „Maaemo“, sie nutzte das vergangene Jahr, um intensiv an ihrem Stil zu feilen. Die optisch attraktiv gearbeiteten Amuse-Bouches, allen voran ein Intro aus süßsauer eingelegter Karotte und markanten Kaffeearomen, setzen den Ton für ein Menü, das weder starke Aromen noch ungewöhnliche Zutaten wie Saiblingsleber oder Kalbszunge scheut. Letztere kombiniert sie mit Pfifferlingen, Salzclementine, Mimolette-Schaum und kräftiger Kalbsjus mit Tiefgang. Originell paart sie Kaviar-Nocken, mit Räucheraal und Crème fraîche gefüllt, mit mexikanischen Brandteig-Churros. Im Fischbereich schätzt sie Heimisches, etwa die seltene Brachse, die sie geräuchert als Tatar anrichtet, begleitet von Mais und den Aromen von XO-Sauce (als Mayo) – ein überraschendes Löffelgericht. Viele Teller sind von Einflüssen der Nordic Cuisine geprägt. Ihre klassische Ausbildung zeigt sich vor allem bei den Saucen: Ausgezeichnet der Fenchel-Rauchtee-Fond mit feinen Anisnoten zur in Nussbutter confierten Seeforelle
Wein: Julien Morlat zählt zu den besten Sommeliers der Republik und hält immer spannende Entdeckungen bereit, dazu gut gereifte Schätze aus dem Top-Keller des Hauses.
Atmosphäre: Zwei stilvoll dekorierte Salons mit markant-handgewebten Tapeten im ersten Stock lassen den Innenstadttrubel vergessen; das freundliche junge Serviceteam wird von den Köchen unterstützt, die viele Gänge selbst servieren.
Fazit: Spannungsreiches Rundumerlebnis mit Wohlfühlfaktor auf hohem Niveau.
Konzept: Junges Fine Dining (eat local, drink natural) im coolen Ambiente des ehemaligen Umspannwerks. Zwei Menüs (eines Veggie); mittags à la carte.
Küche: Neuer Küchenchef, neues Team: Felix Adebahr (Ex-„Green-Beetle“) setzt wie seine Vorgänger auf enge Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten, nordisch inspirierte Stilistik und die eine oder andere Neuinterpretation bayerischer Tradition: Zum gebeizten Saibling gibt’s Blaukrautroulade, fermentierte Preiselbeeren, Maronicreme und erfrischende Buttermilch-Vinaigrette; zur Ochsenschwanzessenz engagierte Gemüseeinlage von karamellisiertem Chicoree bis mariniertem Apfel. Den Zander begleiten Blutwurstnocke, Schnittlauch-Beurre-blanc und eine Art fluffiger Kartoffel-Kaiserschmarrn; den Juval-Schweinebauch gepickelte Navette, Meerrettich, Rote-Bete-Creme und Grießknödel mit Selleriestreu.
Wein: Engagierte Weinkarte mit über 1100 Positionen und Naturwein-Fokus.
Atmosphäre: Postindustrieller Look mit viel Beton, blanken Tischen und „Murals“ (Wandbildern), inspiriert vom Standort im Urban Art Museum.
Fazit: Zeitgemäßer Genuss in außergewöhnlichem Ambiente.
Konzept: Im Romantik Hotel von Familie Fuchs hat Viki Fuchs dem Restaurant ihren Stempel aufgedrückt und führt zugleich die Familientradition mit ihrer Schwester in der sechsten Generation fort. Zwei Menüs, Gerichte à la carte.
Küche: Viki Fuchs liebt Wildgerichte, hat selbst einen Jagdschein und inszeniert die Produkte immer wieder neu, gern mit fernöstlicher Note. Im asiatisch orientierten Menü „Fuchsteufelswild“ sind die Wildschwein-Dim-Sums, ihr Signature-Gericht, fast immer dabei. Das „Spielweg“-Menü ist etwas klassischer orientiert, aber nicht minder kreativ: Hausgemachte Wild-Blutwurst serviert sie mit Hirschherzen und Hirschleckern (Zunge), dazu gegrillter Pulpo, Kartoffelstampf, Pflückspinat, frischer Meerrettich und Jus.
Wein: Rund 150 Positionen mit deutschem Schwerpunkt.
Atmosphäre: Vier Stuben im gemütlichen, sorgsam restaurierten Schwarzwälder Stil. Schicke Lounge.Wunderschöne Terrasse für den Sommer. Sehr freundlicher Service in Schwarzwälder Tracht.
Fazit: Hier fühlen sich Einheimische, weitgereiste Feinschmecker und Schwarzwald-Touristen gleichermaßen wohl.
Konzept: Casual Fine Dining in Diele und Stube im autark arbeitenden Hof vom Küchenchef, serviert wird ein Menü in 6 bis 8 Gängen.
Küche: Wenzel Pankratz, der Souschef in Berlins „Cookies Cream“ war, arbeitet ausschließlich mit Produkten vom eigenen Hof und aus allernächster Umgebung. Erst kurz vor dem Essen werden etwa Fenchel, Dill und Mangold aus Garten und Beeten geholt und zusammen mit Weißen Johannisbeeren, fermentiertem Roggen und Honig-Essig vom eigenen Honig zu schmackhaftem Salat komponiert. Ein frisch gelegtes Ei kombiniert er mit Karpfen und wilder Zwetschge. Reh-, Rot- und Schwarzwild bringt ein befreundeter Jäger.
Wein: Gastgeberin Selina Müller-King begleitet mit naturnah produzierten Weinen, die Terroir und Rebsorte klar widerspiegeln.
Atmosphäre: Stilvoll ländlich bis leicht spartanisch. Schwere Holztische stehen am wärmenden Tonofen. Für Dinnergäste gibt es Zimmer in der umgebauten Scheune. Hinter der Scheune suhlen Schweine, grasen Schafe.
Fazit: Einzigartiges Genusserlebnis ohne Show und Dogma mit der Natur im Mittelpunkt.
Konzept: Casual-Fine-Dining in der zeitgemäß möblierten Genussstube eines schmucken Fachwerk-Landhauses.
Küche: Patissière Stephanie Kneißl ist zurück im Team von Küchenchef Valentin Rottner und setzt mit begeisternden Kompositionen etwa von Yuzu, Himbeere und rosenblumigen Magnolienaromen krönende süße Schlusspunkte in den Menüs. Deren postmodern klarer Stil begeistert mit klassischen Genüssen wie Rehrücken aus eigener Jagd mit Pilzen, zitrisch aufgehelltem Kohl und herb säuerlichen Cranberrys. Die Küche spielt aber auch virtuos mit asiatischen und mediterranen Akzenten. Eine schöne Idee ist es, Miesmuscheln mit Fenchel, Meeresspargel, Sanddorn und Meerrettich zu einem vielschichtigen jodig mineralischen Genuss zu veredeln. Optionales Highlight dazu: eine Nocke Kaluga Kaviar.
Wein: Großer Keller, viele deutsche und Bio-Weine. Jedes Jahr neu: Der von Claudia Rottner mit wechselnden Winzern kreierte Sommerwein.
Atmosphäre: Wohlfühlort mit familiärem Charme, zeitgemäß behaglichem Interieur und top Service.
Fazit: Postmoderne Spitzenkulinarik an traditionsreicher Adresse.
Konzept: Entspannte Kreativität ist in der coolen Location angesagt, die Restaurant, Pottery und Blumenatelier unter einem Dach beherbergt.
Küche: Küchenchef Ole Bramslage und sein Team haben immer ein Menü im Angebot, das sich kreativ und unkompliziert gekonnt durch alle Küchenstile schlängelt. Herrlich geschmackvoll der in Kräutern gewälzte Saibling mit Kimchi und Steckrüben-Püree, ebenso das gegrillte Kalbsbries im Zwiebel-Mezcal-Sud. Der „Gang durch den Garten“ ist eine geschmacksintensive Melange aus Rettich, Brunnenkresse und Buchweizen. Reminiszenz an den „Banana Split“ ist das Dessert mit Stroopwafel (Sirupwaffel), Passionsfrucht und Shiso.
Wein: Kleine, aber durchdachte Auswahl, die durchaus Überraschungen bietet.
Atmosphäre: In einem Wohngebiet abseits der City gelegen, sitzt man im Atelier-Ambiente auf hohen Stühlen an blanken Tischen, schaut in die offene Küche und lässt sich vom freundlichen Service die raffiniert arrangierten Gerichte bringen.
Fazit: Entspannter Genuss mit Anspruch im zwanglosen Rahmen.
Konzept: In nächster Nähe zum Chef in der offenen Küche können 16 Gäste an zwei Eichentischen Easy Fine Dining genießen. Sein saisonal orientiertes Menü bietet 4 Gänge (Do € 89-99) oder 6 Gänge (Fr und Sa € 95)
Küche: Nach den Jahreszeiten komponiert Robert Stolz die Kreationen für sein Menü mit Produkten aus dem eigenen Garten und von kleinen Höfen, Gärtnereien und Manufakturen aus Norddeutschland. Zum Auftakt gibt es beispielsweise Ziegenkäse mit Radieschensalat und Haselnusscreme, gefolgt von Räucherlachs mit Tomate und Sojasud oder Birnen im Teig nach Oma Helmi. Nach dem Hauptgang mit Zweierlei vom Landhuhn und gebratenem Blumenkohl endet das Menü
mit nordischer Genusskombination: Rübensirupmousse mit Gewürzeis und Zwetschgenkompott.
Wein: Für die Menübegleitung – wahlweise mit und ohne Alkohol – wird aus dem Vorrat von rund drei Dutzend Weinen ausgewählt.
Atmosphäre: Nordisches Design dominiert puristisch den großen offenen Raum, der in die Küchenzeile übergeht. Vor den Fenstern lauschige Terrasse fürs Grillen auf dem Feuerring.
Fazit: Anspruchsvolle regional dominierte Genusserlebnisse in intimer Atmosphäre.
Konzept: Storstad bedeutet Großstadt auf Schwedisch. Skandinavisch urban ist das Ambiente mit Blick auf den Dom, Casual Fine Dining. Einsteiger-Menü.
Küche: Produktqualität, Präzision und eine klassisch französische Prägung bestimmen Anton Schmaus’ kulinarisches Tun. „Das ist die Basis“, sagt er. Heute für wunderbar tiefgründige Kreationen im vorwiegend asiatisch grundierten hochspannenden Stil. Traumzarte marinierte und geflämmte oberbayerische Seeforelle begleiten grün unterlegte Umaminoten von Erbsendashi, süßsäuerlich herzhaftem Edamame Salat und lebhafter Schärfe von Meerrettich-Eis. Der in XO-Sauce marinierte bretonische Hummer mit Knoblauchcreme, fermentiertem und gepickeltem Rettich, Estragon-Öl und -Blüten ist ein Paradebeispiel wie Geschmacksakkorde den Fokus setzen. Wunderbar war das Potpourri von schmelzendem dunklen Schokotörtchen, gebrannten Pecannüssen, Vanilleeis, Salzkaramell und 50-jährigem Balsamico.
Wein: 180 Positionen mit Bestem aus Deutschland, Europa und Übersee. Focus auf kleinen Newcomer-Gütern. Viele Rieslinge, alkoholfreie Alternativen.
Atmosphäre: Einladend großstädtisches Ambiente, sympathisch luftige Nischen, stylische Loungemöbel, Panoramafenster mit Blick über die Dächer der Stadt.
Fazit: Stilvoll entspannte Adresse für ein genussaffines Publikum.
Konzept: Regionale, nachhaltige Küche (80% der verwendeten Produkte stammen aus maximal 80 Kilometern Entfernung) im Gourmethotel Gut Steinbach: Achim Hack gehört zu den Pionieren dieser Ausrichtung und setzt sie wunderbar um. Zwei Menüs, eines vegetarisch, alle Gänge und weitere Lieblingsgeriche à la carte.
Küche: Wie gut bayerische Traditionsgerichte und besonders der Chiemgau schmecken können, stellt der Chefkoch mit seinem Team immer wieder neu unter Beweis. Das „Heimat.Menü“ startet etwa mit Hirschschinken, Bauernbrot und Preiselbeer-Mayo, im Hauptgang Zanderfilet mit Senflinsen und Brotsalat. Leberkäse, Wiener Schnitzel und Spinatknödel gibt es auch. So stellt sich schnell ein kulinarisches Heimatgefühl ein.
Wein: Gut gepflegtes Angebot mit rund 100 Positionen, 15 davon im Offenausschank.
Atmosphäre: In drei unterschiedlich, immer der Heimat verbunden gestalteten Stuben – den Auerhahn Stuben, den Bayern Stuben und den Tiroler Stuben – fühlen sich Einheimische und Touristen wohl.
Fazit: Feine Heimatküche mit Anspruch, der Tradition verbunden, in heimeligem Ambiente.
Konzept: Das Degustationsmenü besteht aus vielen kleinen Gängen und lässt sich durch mehrere „Herzstücke“ zusätzlich erweitern.
Küche: Gastgeber Jan-Philipp Berner, Küchenchef Jan Fehling und ihr Team bereiten vor den Augen der Gäste ein raffiniert kreatives Menü zu, das klassische Kochtechniken mit modernen Zubereitungsarten verbindet. Aufgrund der Affinität zu norddeutschen und skandinavischen Einflüssen und dem besonderen Augenmerk auf den natürlichen Geschmack und die natürliche Schönheit der Zutaten lässt sich der Stil als „New Nordic“ beschreiben. Hochwertige Zutaten aus der Region wie Fjordforelle, Zackenbarsch und Muscheln sowie Wurzelgemüse, Kohl und Rüben kommen zum Einsatz. Dabei setzt die Küche auf zurückhaltende, aber gekonnte Geschmackskombinationen: Gemüse und Kräuter wie Liebstöckel und Estragon geben den Gerichten Tiefe, während fermentierte, eingelegte oder leicht süße Zutaten wie Mirabelle, Mais und Sanddorn überraschende Akzente setzen. Der „süße Abschluss“ unterstreicht das für die nordische Küche typische Spiel von Säure und Süße, zum Beispiel mit Sylter Rose und Fichte.
Wein: Der gekonnt abgestimmten Weinbegleitung darf man vertrauen. Zu den über 800 Positionen auf der Weinkarte gibt es auf Wunsch exzellente Beratung.
Atmosphäre: Das malerische, reetgedeckte Landhaus auf der Düne strahlt stilvolle Eleganz und nordische Gemütlichkeit aus. Das hochwertige, frisch renovierte Interieur und der charmante, professionelle Service unter der Leitung von Bärbel Ring sorgen für Wohlbefinden.
Fazit: Nicht nur das beste Restaurant der Insel – ein kulinarischer Leuchtturm im gesamten Norden.
Konzept: Sascha Stemberg führt die Küche in fünfter Generation mit ebenso viel Leidenschaft und Engagement wie sein Vater. 4- bis 6-Gang-Menüs sowie Gerichte à la carte.
Küche: Stemberg gelingt es, Klassiker zu bewahren und zugleich innovative Akzente zu setzen. So verfeinert er knusprig gebratenes Kalbsbries mit brauner Butter, die dem Gericht eine nussige Tiefe gibt. Geschäumter Zwiebelsud mit Kaffir-Limette fügt eine exotische Nuance hinzu, die eingelegte Amalfi-Zitronenschale einen säuerlichen Kontrast. Zum trocken gereiften, auf Holzkohle gegrillten Wuppertaler Landschwein gibt es Blutwurst und – mit einem Augenzwinkern in Richtung Niederlande – „Frikandel Speciaal“: Ofenkartoffelstampf bildet eine rustikale Basis, während gebratener Caesar Salad für unerwartete Frische sorgt. Glasierte Perlzwiebeln in BBQ-Jus runden das Gericht süß-salzig ab.
Wein: 250 Positionen, gastfreundlich kalkuliert. 20 Weine auch glasweise.
Atmosphäre: Ungezwungener Landgasthof mit charmantem, aufmerksamem Service.
Fazit: Eine gastronomische Institution in Familienbesitz seit 1864.
Konzept: Das renommierte badische Restaurant bietet neben einem Menü auch À-la-carte-Gerichte.
Küche: Seit Jahrzehnten eine gastronomische Legende, serviert die Küche unsterbliche kulinarische Klassiker in erstklassiger geschmacklicher Präzision wie die Terrine von der Gänseleber mit Kornelkirsche, Brust und Keule von der Challans-Wachtel, wilden Heilbutt aus der Kräuterbeize, gegrillten Steinbutt mit Beurre blanc, glacierte Pecorino-Ravioli und Lammrücken mit Burgunderschnecken. Ab zwei Personen gibt es die ganze getrüffelte Poularde aus dem Ofen, die am Tisch tranchiert wird. Auf Vorbestellung bekommt man das Geflügel gefüllt mit Gänseleber, Reis und Gemüse.
Wein: Die großartig sortierte Weinkarte, eine der besten des Landes, bietet alles, was in der Weinszene Rang und Namen hat, in beeindruckender Jahrgangstiefe.
Atmosphäre: Das legendäre Wirtshaus ist ein Hort badischer Gastlichkeit im gemütlich gediegenen Ambiente.
Fazit: Kulinarische Bildungsreise in die badisch-französische Haute Cuisine.
Konzept: Gourmetrestaurant mit einem Menü, das nach vorheriger Absprache auch mit vegetarischen Alternativen serviert werden kann.
Küche: Küchenchef Robin Pietsch, der nicht nur Koch, sondern auch Konditor ist, hat seine ganz eigene Handschrift entwickelt. Aus besten Produkten aus Nah und Fern, zaubert er kleine kreative und auf den wesentlichen Geschmack reduzierte Gerichte, die zusammen ein stimmiges Menü ergeben. Zum Beispiel klassisch Aal mit Erbsen und Morcheln oder die feinaromatische Lachsforelle mit Kartoffeln und Gurke, danach eine hausgemachte Brotmahlzeit mit Kräuter-Potpourri und Kräutertee. Oder einfach nur ein aromatisch glänzendes Senfei. So einfach kann erstklassige Küche sein, wenn sie gekonnt und einfallsreich ist. Zum süßen Abschluss vereint die Patisserie Honig mit Rhabarber und Mandeln.
Wein: Klein und fein, Head Sommelier Max Mittag bietet eine durchdachte Phalanx ausgesuchter Weine an.
Atmosphäre: Puristisch modern eingerichtet, der junge freundliche Service sorgtfür eine angenehm lockere und familiäre Atmosphäre.
Fazit: Entspannter Genuss mit Anspruch in zwanglosem Rahmen.